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Meditationstexte zu den Quartetten von Joseph Haydn:
Die sieben Worte des Erlösers am Kreuz

Am 5. April 1998 führte das Landshuter Kammerorchester unter der Leitung von Herbert Gill dieses Werk von Joseph Haydn auf.
Der Intendant des Südostbayerischen Städtetheaters Johannes Reitmeier sprach dazu verbindende Texte von Dr. Alfons Hämmerl.
Auch bei weiteren Aufführungen der Haydn'schen Musik wurden diese Texte rezitiert.
Man kann die Meditationstexte beziehen bei:
Dr. Alfons Hämmerl, per e-mail oder per Fax: 08766/831.

Die Meditationstexte wurden mit einer theologischen Absicht verfasst. Im Programmheft des Konzertes wurde diese Konzeption so beschrieben:

In einer ehemaligen Wachstube aus der römischen Kaiserzeit haben Archäologen einen antiken "Graffito" gefunden. Er zeigt einen Esel, den man an ein Kreuz genagelt hat; vor ihm kniet ein Männchen und faltet die Hände. Darunter steht zu lesen: "Alexamenos betet seinen Gott an."
Vermutlich war Alexamenos ein römischer Soldat, der Christ geworden war und deswegen von seinen Kameraden verspottet wurde. Sie waren wohl der Ansicht, daß es eine ausgemachte "Eselei" sei, einen Gekreuzigten - die schändlichste Todesart dieser Zeit - als Gott, bzw. Gottes Sohn zu verehren.
Diese Kritzler von damals könnte man als Gotteslästerer betrachten; aber im Grunde sehen sie ganz richtig: es ist etwas Ungeheuerliches und Skandalöses um das Symbol des Kreuzes. Hier wird etwas sichtbar, was der Apostel Paulus sehr dringlich vorträgt: das Evangelium soll "nicht in klugen und gewandten Worten" verkündigt werden , weil sonst das Kreuz um seine Kraft käme: es wäre kein Identifikationssymbol mehr für die Geschundenen und Geknechteten aller Zeiten, es würde aufhören, Zufluchtsort zu sein für die von Leid und Tod Verfolgten und die Trostbedürftigen würden sich in ihrer Not nicht mehr wirklich ernst genommen fühlen.
Die Mahnung des Paulus wurde im Lauf der christlichen Frömmigkeitsgeschichte oft in den Wind geschlagen. Theologen haben das Kreuz, das Leid und die Not der Welt eingeordnet in ihre Gedankengebäude und dadurch verharmlost. Sie erklärten alles und bewiesen, daß alles gerade so sein mußte und daß es so am besten war, wie es war.
Die Verharmlosung des Kreuzes zeigt sich nicht zuletzt in der Interpretationsgeschichte der sogenannten "Sieben Worte" - jener Ausrufe und Klagen, die von den Evangelisten als Jesu letzte Worte überliefert wurden. Sie wurden oft so "fromm" interpretiert, daß sie jede Schärfe verloren. Schon bei den Evangelisten Lukas und Johannes fehlen gegenüber der ältesten Leidensgeschichte, die durch Markus und Matthäus überliefert wird, die Verlassenheitsklage (in der jetzigen Reihung das 4. Wort) und der laute Aufschrei, mit dem er stirbt. Schon sie waren wohl der Ansicht, ihren Gemeinden eine solche "Gottesfinsternis" nicht zumuten zu dürfen. Die vorliegenden Meditationen besinnen sich auf die Mahnung des Paulus: den "Letzten Worten Jesu" darf man ihre Schärfe nicht nehmen; sie sollen in ihrer Radikalität belassen werden. Nur so strahlen sie ihre ursprüngliche Kraft aus und bleiben in Tuchfühlung mit dem wirklichen menschlichen Dasein.


 

 

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